Innovationsanalyse

Innovationsanalyse

Bilder, im tatsächlichen und übertragenen Sinne, spielen für die Koordination
von Innovationsprozessen und für die Akzeptanz von neuen Technologien eine entscheidende Rolle. Bilder betten eine neue Technik in die kulturelle und symbolische Ordnung einer Gesellschaft ein und verleihen ihr so Plausibilität und Bedeutung. Der Relevanz von Bildern soll in der vorliegenden Studie am historischen Beispiel der frühen Innovationsgeschichte der Elektrizität nachgegangen werden.

Die Bewertung und Wahrnehmung der Elektrizität werden erst im historischen
Kontext verständlich. Die Etablierung des neuen Energieträgers geschieht vor dem Hintergrund epochaler gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche am Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert. Die neue Technologie verbindet sich aufs Engste mit den entstehenden kulturellen Werten der gesellschaftlichen Modernisierung. Elektrizität wird zum Symbol für Modernität und Fortschritt. Zur symbolischen Aufladung tragen nicht nur die visionären Rahmungen der Systembauer, wie Thomas A. Edison und Emil Rathenau, und die breit geteilte soziale Trägerschaft durch Bürgertum und Arbeiterbewegung bei, sondern vor allem auch der Einsatz von bildnerischen Mitteln, wie Plakaten, Allegorien,
Ausstellungen und Inszenierungen des zukünftigen elektrischen Alltags,
sowie die Symbolhaftigkeit des elektrischen Lichts selbst.

Auch das Design spielt eine wichtige Rolle bei der Innovation der Elektrizität.
Überraschenderweise imitierte die Gestaltung des neuen Energieträgers
zunächst in mehrfacher Hinsicht das bestehende System des Gaslichts sowie die bekannte Ästhetik. Erst nach der Jahrhundertwende entwickelte sich eine eigene Formsprache für den neuen Energieträger. Dabei treten neue industrielle Produktionsweisen, eine neue, sachliche und moderne Formgebung und die Elektrizität in Wechselwirkung.

Den Abschluss dieser Studie bildet die Übertragung der gewonnenen Erkenntnisse auf die Etablierung von Wasserstoff und Brennstoffzelle. Mit Blick auf die Frühzeit der Elektrizität sowie der kurz dargestellten neueren Geschichte des Erneuerbare-Energien-Sektors fällt auf, dass es in Bezug auf Wasserstoff und Brennstoffzelle an einer breiter geteilten sozialen Trägerschaft fehlt. Bisher genutzte Bilder, im Sinne von gesellschaftlichen Kontexten und kulturellen Rahmen, sind zudem eher von abstrakter Natur und gehen an der Alltagswelt der Nutzer vorbei. Vorgeschlagen werden deswegen mit „energy to go“, „Energiewende“ und Bedeutungsänderungen beim Automobil („mobiler Aktivitätsort“, „mobiles Kraftwerk“) drei mögliche Kontexte, mit denen Wasserstoff und Brennstoffzelle gerahmt werden können. Aus einer innovationstheoretischen Perspektive zeigt sich auch bei der Elektrizität, dass die frühe Kommerzialisierung von grundlegenden Innovationen oft in Nischen und bei bekannten Kundenbedürfnissen sowie bestehenden Marktstrukturen
beginnt. Die frühe Kommerzialisierung der Brennstoffzelle folgt, wie aufgezeigt wird, diesem historischen Muster. Künftig wird es darauf ankommen, nicht nur den Austausch und Lernprozesse zwischen langfristigen F&E-Aktivitäten und den Erfahrungen der frühen Kommerzialisierung zu initiieren und zu koordinieren, sondern im Sinne einer aktiven Öffentlichkeitsarbeit die langfristige Vision einer „Clean Energy World“ und die frühen Anwendungen von Wasserstoff und Brennstoffzelle in eine Gesamtgeschichte zusammenzubinden.

Bericht zum Herunterladen

Wasserstoff als Treibstoff

"Ich bin davon überzeugt, meine Freunde, dass das Wasser dereinst als Brennstoff Verwendung findet, dass Wasserstoff und Sauerstoff, die Bestandteile desselben, zur unerschöpflichen und bezüglich ihrer Intensität ganz ungeahnten Quelle der Wärme und des Lichts werden. Das Wasser ist die Kohle der Zukunft."

(Cyrus Smith in Jules Vernes Roman "Die geheimnisvolle Insel", 1875)

Laufzeit des Projekts: September 2009 – August 2013

Projektleitung:
Unabhängiges Institut für Umweltfragen e.V. (UfU)
Greifswalder Straße 4
10405 Berlin
Tel.: 030-428 49 93-34
www.hytrust.de

Auftraggeber des Projekts ist das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung vertreten durch die Nationale Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW).